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Nachhaltige Vliesstoffe durch innovative Produktionsverfahren

10.11.2015 | id:10404225

Ein Kommentar von Thomas Waldmann, Geschäftsführer VDMA Textilmaschinen.

„… Deutsche Textilmaschinen haben den Energiebedarf für den gesamten Prozess von der Faser bis zum wasserstrahlverfestigten Hygienevlies in zehn Jahren
um 27 Prozent reduziert….“


In Kürze öffnet die ITMA 2015 in Mailand ihre Tore. Als Leitmesse des Textilmaschinenbaus ist die Veranstaltung der Ort, an dem viele Innovationen unserer Branche erstmals gezeigt werden. Mehr als 230 deutsche Aussteller werden in Mailand vertreten sein. Sie decken fast alle Kapitel der verschiedenen Maschinensparten ab, wobei der Fokus auf Maschinen für die Spinnerei, Weberei, Maschenbildung, Veredelung liegt – und natürlich für die Vliesstoffproduktion! Gut vertreten sind im „Research & Innovation Pavilion“ übrigens auch die deutschen Forschungsinstitute. Die ITMA 2015 formuliert den Anspruch „Master the art of sustainable innovation“. Der VDMA und seine Mitgliedsfirmen haben bereits im Vorfeld das ITMA-Motto mit Leben gefüllt und statt theoretischer Betrachtungen praktische Beispiele für Nachhaltigkeit gegeben. Die Anstrengungen der deutschen Technologieanbieter in Forschung und Entwicklung für mehr Energieeffizienz über den gesamten Produktionsprozess können sich sehen lassen: Deutsche Textilmaschinen haben den Energiebedarf für den gesamten Prozess von der Faser bis zum wasserstrahlverfestigten Hygienevlies in zehn Jahren um 27 Prozent reduziert. Der Energieverbrauch in der Wasserstrahlverfestigung selbst wurde sogar um bis zu 36 Prozent, bei der nachfolgenden Vliestrocknung um 34 Prozent reduziert. Nachhaltigkeit ist für VDMA-Mitgliedsfirmen ein integraler Bestandteil ihres Geschäfts, dem sie sich in Selbstverantwortung stellen. Die vom VDMA ins Leben gerufene Initiative Blue Competence zielt darauf ab, die Ressourcen, das Know-how und die Stärken der Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus untereinander zu bündeln.

Gefragt: Flexibilität
Bei technischen und zunehmend auch klassischen Textilien ändern sich laufend die Anforderungsprofile. Flexibilität ist deshalb für viele Kunden ein wichtiger Fokus für ihre Technologievergleiche auf der ITMA. Egal ob Feuerwehruniformen beschichtet werden müssen oder medizinische Filter: Wo früher ggf. zwei Anlagen gestanden haben, wird künftig nur noch eine stehen. Nachhaltigkeit ist eine wichtige Anforderung in der Vliesstoffproduktion, und zwar sowohl in Bezug auf den Rohstoff- und Energieeinsatz in der Fertigung als auch etwa die Umweltverträglichkeit von Hygieneartikeln. Viele Feuchtwischtücher lösen sich in Wasser kaum bis gar nicht auf. Angesichts kollabierender Abwassersysteme und zunehmender Auflagen für Trinkwasserqualität haben wir es mit einem ökonomischen und ökologischen Problem zu tun, das mit dem weltweit steigenden Bedarf an Feuchtwischtüchern an Schärfe gewinnt. Die Maschinenhersteller haben ihre Anlagen für abbaubare und spülbare Feuchtwischtücher weiter verbessert. Materialseitig geht es z. B. um Nassvliese aus abbaubaren Zellulosefasern und maschinentechnisch anstelle üblicher Binder und deren thermischer Verfestigung um eine chemiefreie Wasserstrahlverfestigung. Am Ende müssen Vliesprodukte wie feuchtes Toilettenpapier und Kosmetiktücher stehen, die sich nach Gebrauch innerhalb kürzester Zeit im Wasser vollständig auflösen. Für vernadelte Vliese erwarten wir hochleistungsfähige Anlagen auf der ITMA. Die Anforderungen richten sich zu Beginn des Prozesses auf eine noch weiter verbesserte Vormischung und Voröffnung bei höchster Durchsatzleistung. In der nachfolgenden Krempel und deren Speisung geht es um Kriterien wie Bauformen zur Reduzierung der nötigen Gebäudehülle und modulare Komponenten für flexible und schnelle Wechsel. Neben den Großanlagen zur wirtschaftlichen Produktion von großen Mengen, z. B. im Geovliessektor, werden verstärkt auch Kompaktanlagen für die Produktion kleiner Metragen entwickelt. Sie zielen auf den hochanspruchsvollen Einsatz z. B. im Medizinsektor und für Spezialitäten aus Sonderfasern, einschließlich Carbonfasern. Spunbondtechnologien für technische Anwendungen wären hier gewiss auch zu erwähnen, sie werden neben den bereits genannten Verfahrenstechniken Thema des erstmals auf der ITMA gemeinsam mit dem internationalen Vliesstoffverband Edana veranstalteten Nonwoven Forums sein.

Branchen-Olympiade: Event für junge Talente
Die Textilmaschinenbauer des VDMA werden auf der ITMA 2015 ihre Technologie-, Qualitäts- und Innovationsführerschaft gerade im Blick auf die stark steigenden Nachhaltigkeitsanforderungen unter Beweis stellen. Sie machen die Olympiade der Branche aber auch zu einem Event für junge Talente: Der Fachverband Textilmaschinen
fördert Studentenexkursionen zur ITMA. Mehr als 420 Nachwuchsingenieure von zehn Hochschulen haben durch die finanzielle Unterstützung des VDMA die Gelegenheit, in Mailand modernste Maschinen und Anlagen live zu erleben – im Vliesstoffmaschinenbau sogar eine produzierende Gesamtanlage.

Editorial Text for Trade Magazine avr 5/2015

Bildquelle : VDMA

Strauch, Nicolai
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