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VDMA: Nachhaltigkeit – praktische Beispiele statt leerer Schlagworte

06.05.2015 | id:8369149

Bei der VDMA-Pressekonferenz zur Techtextil haben Sprecher der Mitgliedsfirmen Trützschler, August Herzog Maschinenfabrik und des Oerlikon Segments Manmade Fibers das manchmal so locker verwendete Schlagwort Nachhaltigkeit mit Inhalt gefüllt.

Dabei gingen die Aspekte von Nachhaltigkeit als Firmenkultur bis zu Textilmaschinen als Enabler für textile Produkte zur Energieeinsparung.

Ressourcenoptimierung und Umweltschutz
Beim Thema Nachhaltigkeit, so Dr. Burger, Geschäftsführer (CEO) von Trützschler, unterscheide man zwischen Ressourcenoptimierung und Umweltschutz. Bei der Ressourcenoptimierung gehe es um Themen wie niedriger Energieeinsatz, optimierter Rohstoffeinsatz, geringe Wartungskosten und Investitionssicherheit. „Alle diese Punkte bewirken optimierte ‚total cost of ownership‘ für den Kunden und sind dementsprechend extrem wichtige Verkaufsargumente", sagte Burger. Beispiele für Trützschler-Funktionen in diesem Zusammenhang sind Energiemessgeräte zur Verbrauchs-Visualisierung sowie Sensoren zur Abfalloptimierung in unseren Maschinen. „Wir kämpfen sprichwörtlich um jede Faser, damit Wertschöpfung und Nachhaltigkeit ein kontinuierlich hohes Niveau haben“, fügte Burger hinzu.

Trützschler ist bei den Umweltschutzthemen schon lange aktiv und unterschreitet z. B. alle weltweiten Standards zur Geräuschemission deutlich. „Früh begonnen haben wir bei den Staubemissionen. Hier wurden Auflagen der westlichen Welt zum weltweiten Trützschler-Standard erhoben. Der wird inzwischen auch in Asien geschätzt und entsprechend honoriert“, resümierte Burger.

Flechttechnik zur Energieeinsparung
Welche Vorteile das Verflechten synthetischer Fasern für die Materialsubstitution und Energieeinsparung zu Wasser, zu Lande und in der Luft mit sich bringt, erläuterte Dr. Janpeter Horn, Geschäftsführer der seit 154 Jahren in Oldenburg ansässigen August Herzog Maschinenfabrik. Erdöl- und Erdgasförderung auf hoher See, die bisher nur von Stahlseilen zu „schultern“ war, ist inzwischen auch zur Herausforderung für den Textilmaschinenbau geworden. “Bei den Arbeiten auf hoher See werden immer mehr konventionelle Stahlseile durch leichte, im Wasser sich selbst tragende synthetische Faserseile ersetzt“, erklärte Horn. Diese Geflechte mit wesentlich besseren Eigenschaften als Stahl kommen zum Einsatz, um Lasten zu heben, Bauteile abzusenken oder Plattformen und Schiffe zu vertäuen. „Wir stellen die Technik dafür bereit. Die damit produzierten geflochtenen synthetischen Seile werden vom Wasser getragen. Das ermöglicht hohe Festigkeit in größeren Tiefen“, führt Horn aus. Der Energiespareffekt ist offensichtlich: Jedes Kilogramm Gewicht, dass sich mit den wesentlich leichteren Textilseilen im Förderprozess sparen lässt, ermöglicht das Anhängen von entsprechend mehr Lasten.

Leichtbau mit Faserverbundstoffen beschäftigte Herzog stark in den vergangenen Jahren. Heute kommt nicht nur bei BMW automatisierte Flechttechnik aus Oldenburg zum Einsatz. Wo es um tragende Strukturbauteile für Flugzeuge, Autos oder Fahrräder aus Carbonfasern geht, ist Technik von Herzog gefragt, so Horn.

Nachhaltigkeit: Wirtschaft, Ökologie und Soziales
“Nachhaltigkeit spielte in unserer Firmenstrategie immer eine bedeutende Rolle”, sagte André Wissenberg, Vice President Oerlikon Manmade Fibers Segment. Das sogenannte “e-save”-Programm wurde bereits 2004 ins Leben gerufen. “Nachhaltigkeit bezieht sich auf die drei Bereiche Wirtschaft, Ökologie und Soziales. Hier sind wir dabei, kontinuierliche Verbesserungen sowohl für unsere Kunden als auch für unsere Mitarbeiter zu erzielen”, sagte Wissenberg und fuhr fort: “Unsere neueste WINGS-Technologie (Winder-Integrated Godet Solution) reduziert den durchschnittlichen Energieverbrauch pro Tonne POY (Pre-Oriented Yarn) um 40 % und für FDY (Fully-drawn Yarn) sogar um 55 % im Vergleich zu den Maschinen aus den 1990er Jahren.“ Aber auch im Hinblick auf die Produktion der eigenen Maschinen ist Oerlikon ein gutes Beispiel für das, was möglich ist: „In Remscheid wurde das neu entwickelte One-Piece-Flow-Konzept sowohl für die neue Montagelinie als auch für die Produktion der Changierbalken genutzt. Dadurch konnte nicht nur die Produktionskapazität um 15 % erhöht werden, sondern es ergaben sich auch ergonomische Vorteile für die Montagemitarbeiter. Ebenso konnte der Energieverbrauch reduziert werden.“ Laut Wissenberg hat sich die Firma ein strenges Energiemanagement auferlegt, das zu einer 1,5 %-igen Energieverbrauchsreduzierung im Jahr führen muss. Die Wiedergewinnung von Bohrölen aus zerspantem Metall mittels einer Zentrifuge oder die Aufbereitung von Schmierfetten, das Abfallrecycling und der Energierückgewinnung durch Wärmetauscher sind andere Beispiele, wie Oerlikon nachhaltig mit Ressourcen umgeht.

Thomas Waldmann, Geschäftsführer des VDMA-Fachverbands Textilmaschinen in seinem Resümee: “Die Präsentationen, die wir heute gesehen haben, sind nur einige wenige Bespiele, die zeigen, dass Nachhaltigkeit für unsere Mitgliedsfirmen eine integraler Bestandteil ihres Geschäftes ist. Im Hinblick auf die ökonomischen und ökologischen Aspekte der Nachhaltigkeit werden die VDMA- Mitgliedsfirmen auf der ITMA 2015 im November in Mailand fundierte technische Antworten darauf geben, wie volatile Energie- und Rohstoffpreise und die ökologischen Forderungen von Regierungen, Marken, Händlern und Konsumenten aneinander angepasst werden können.”

Im Vorfeld der ITMA wird der VDMA eine Reihe von praktischen Beispielen veröffentlichen, die zeigen, wie die Mitgliedsfirmen des Verbandes das ITMA-Motto “Master the art of sustainable innovation” mit ihren Technologien und Konzepten beantworten.

Schon 2011 hat der VDMA die Blue Competence-Initiative ins Leben gerufen. Sie zielt darauf ab, alle Unternehmen des deutschen Maschinenbaus untereinander zu verbinden sowie die Ressourcen, das Knowhow und die Stärken der VDMA-Mitglieder zu bündeln. Textilmaschinen ist eine der 30 verschiedenen Branchen des Maschinenbaus innerhalb der Blue Competence-Initiative, an der sich insgesamt etwa 400 Unternehmen beteiligen. 35 Mitgliedsfirmen des Fachverbands Textilmaschinen haben sich der Initiative angeschlossen; sie repräsentieren circa zwei Drittel des Umsatzes dieser Branche.

Im März 2015 haben der VDMA Fachverband Textilmaschinen und Euratex eine Zusammenarbeit zwischen der VDMA Blue Competence Initiative und der von Euratex geführten Energy Made-to-Measure Kampagne vereinbart. Dies beinhaltet:

  • Austausch von Informationen,
  • Zusammenarbeit bei der Organisation von Treffen und Workshops, um das Thema Energieeffizienz zu fördern.
  • VDMA im SET-Gremium (Sustainable Energy Efficiency for Textile SMEs, kofinanziert durch die EU).

Bildquelle : Fotolia

Strauch, Nicolai
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